Von 1963 bis 1965 lebte und arbeitete ich in Görlitz. Diese Stadt mit ihrem kulturellen Leben, ihren (teils neu auferstandenen) Bauten fasziniert mich noch immer. Vor ein paar Wochen war ich erneut in Görlitz. Ich habe die Städtischen Sammlungen im Kaisertrutz und die alte Synagoge in der Langenstraße besucht. Grund des Besuches waren aber das Schlesische Museum Görlitz (SMG) und die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften (OLGdW), genauer: deren Bibliothek.
Vor einiger Zeit bekam ich Post von einer Familie Orth aus Kiel. Der aus Breslau stammende Vater von Herrn Holger Orth war verstorben, in seinem Nachlass befanden sich auch drei schöne Grafiken von Breslau, die er mir anbot. Im Einzelnen sind das: Das Rathaus von Breslau, Radierung, Verlag Bruno Wenzel, Breslau Der Dom zu St. Johann in Breslau, Breslau von der Oder Seyten, Colorierter Strich, Gebäude auf dem Bild nummeriert.
Alle Blätter sind vorbildlich gerahmt. Besonders der Dom gefällt mir sehr gut, zumal es eine ungewöhnliche Perspektive ist. Namens des SMG nahm Herr Marian Heisinger die Schenkung entgegen. Die Blätter werden sicher nicht in der Dauerausstellung gezeigt, gehören aber zum wissenschaftlichen Fundus und werden sicher einmal Raum in einer thematischen Sonderausstellung finden.
Zur Verwandtschaft meiner Frau gehört auch die Familie Foest, die bis 1945 in Langhelwigdorf lebte und
dann flüchten musste. Sie war ihrer schlesischen Heimat immer sehr verbunden. Der Ort heißt heute Podgwizdów im Kreis Bolków/Bolkenhain. Zu der Bauernfamilie, die heute auf dem ehemals Foestchen Hof lebt und arbeitet, bestehen seit Jahren sehr herzliche Beziehungen. Die Tochter Katarzyna hat eine
Studienarbeit über die Jugenderinnerungen von Hubert Foest geschrieben und der von ihr geleitete Landfrauenverein besuchte vor zwei Jahren den Striezelmarkt. Von der Familie Foest – heute im NRW lebend, erhielt ich ein Konglomerat deutschsprachiger Büchern und Zeitschriften zu den deutsch-polnischen Beziehungen und zu Schlesien, die vor allem in NRW bzw. Bayern herausgegeben wurden. Dazu gehörten unter anderen:
– Jahrbuch der Schlesier 1990 bis 2011
– Niederschlesien in 144 Bildern
– Bote aus dem schlesischen Burgenland (der sich an katholische Schlesier richtet)
– Neue Bolkenhainer Heimatblätter, 1972
– Früher und heute für Schlesische Leute (Mundart-Dichtung)
– Tragödie Schlesiens 1945/46 (eine wissenschaftliche Dokumentation).
Diese Arbeiten konnte ich mit Vermittlung von Frau Dr. Zinnow der Bibliothek der OLGdW übergeben.
In meinem Alter möchte man nicht mehr sammeln, sondern eher loslassen. So ist es eine Freude, Bilder undBücher in Hände weiterzugeben, wo sie gewürdigt und genutzt werden. Und natürlich war es für mich immer selbstverständlich, dass ich diese Schenkungen als Repräsentant unserer DPG übergebe.
Wolfgang Nicht, 16.04.2026

